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Highway to Hill ...
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Day 6

Guten Morgähn. Huh, war das frisch heute Nacht. Um die 2 Grad C. draußen. Wußte ich nicht, Fenster offen – leichte Halsschmerzen. Wir sind eben doch im alpinen Gebiet. Das Frühstück geht so weiter, wie die Fressorgie gestern Nacht. Üppig und lekker. Selbst Flo schaufelt schon wieder wie ein Bagger, der muß doch noch 10 kg Übergewicht von gestern in der Kugel haben? Dannach geht’s ein wenig shoppen gleich um´s Haus. Paar Delikatessen und Mitbringsel für daheim. Es ist noch immer kühl, aber scheint bald aufzureißen.

Nach dem Startschuß geht es direkt steil nach oben. Die Serpentinen beginnen schon im Ort. Wir fahren unter einer Gondel durch, die direkt aus einem Hotel zum Gipfel hoch geht. Das`n Service. Der Gaviapaß. Landschaftlich bestimmt der Höhepunkt der Tour. Kleines Sträßchen, das sich in tausend Kurven zum Top schlängelt. Links von uns prasselt ein Wasserfall 100m in die Tiefe, rechts schroffe Felsbrocken gemischt mit saftigem Grün. Genuß für Leib und Seele, übrigens ist der Gavia auch ein Teil der Giro d´Italia. Gegen Bergspitze sehen wir links von uns zwei glasklare Bergseen, die zum reinspringen verleiten. Aber wir haben ja noch was vor uns. Oben angekommen sammelt man sich und es gibt nen Drink in der wohl kultigsten Radfahrerkneipe Italiens. Der Innenraum ist geschmückt von Pokalen, Trikots und Bildern von besessenen Velopiloten, die sich hier die letzten 80 Jahre raufgequält haben. Hier hängt vor allem auch ein Bild von nem Typen, der in kurzer Montour bei Schneesturm knapp am Abgrund (ohne Leitplanke) auf der damals noch geschotterten Straße hochpumpt. Yes! Von hier oben gibt’s mal wieder einen gigantischen Ausblick auf die Amadellogruppe. Riesiges Bergmassiv mit kleinen Seen am Fuße. Der Weg nach unten ist gefährlich wegen den langen Geraden und sauspitzen Serpentinen. Man muß hier gut bremsen können und bitte nicht im Pulk fahren, Lebensgefahr. Wie machen die das bei der Giro blos, die schießen da bestimmt mit hundert runter, die Vergifteten. Blackout, aaah! Plötzlich steht da ein Tunnel. Aus der grellen Bergsonne in ein dunkles Loch fahren ist auch was feines. Meine Pupillen schnappen auf, wie das Objektiv meiner Camera. Im Tale treffen wir uns wieder vor einer Eissporthalle. Riesen Trara geht hier ab. Massen von Leuten mitten in den Bergen...Klaus ist sich sicher, dass Kathi Witt ne Nacktperformance da drinnen gibt. Wir sind versucht einzubrechen, doch big Daddy Richard peitscht uns zurück auf die Straße. Ein weiterer Paß liegt vor uns. Der Himmel ist mittlerweilen wolkenlos, und es scheint sogar ein wenig Rückenwind. Von Ponte di Lenio cruisen wir, ausser Flo und Stefan, die schüren wieder den Passo Tonale hoch. Stefan schließt sich an feindliche Zeitfahrer an und meistert den Paß in Rekordzeit. Die Straße ist frisch geteert. Noch zielich weich der Belag. Tja, wo manch einem zum Ziel zu die Puste ausgeht, legen die Youngsters plus Bonbon-Paul noch nen Endspurt auf`s Parkett.

Der Einflug in Tonale ist auch sehr merkwürdig. Ziemlich ausgestorben alles. Scheint auch nur im Winter was los zu sein. Einige Zigeuner versuchen Taiwanschrott, Uhren, Messer, Lampen usw. los zu werden. Wir flüchten schnell ins scheinbar einzige Restaurant im Ort. Eigentlich wie so ne Westernstadt hier. Eine Straße, links und rechts Häuser. Ende Gelände. Die Mittagspause für 13 Mann findet auf der Terasse einer Kneipe statt, auf der nur ca. 9 Mann Platz haben. Drei von uns müssen ihre Spaghetti Arabbiata auf der Treppe löffeln. Aber bei dem Hungerast...da macht nicht mal die Baustelle direkt neben und über uns was aus. Nur selten fällt ne Ladung Staub auf unser Haupt, während des Lunch. Dafür haben wir permanent den Sound eines Presslufthammers in der Ohrmuschel. Jungs lasst uns aufessen und bitte noch vor dem Gehörsturz weiterziehen.

Herrlicher Downhill – lange, übersichtliche Kurven, lange lange Abfahrt ins Tal der Sonne. Bis zu unserem heutigen Etappenziel Clés geht es nur noch mal leicht bergauf, um die 4-5 km. Weit genug für Hans-Dieter, sich zwei Platten zu leisten. Schon wieder Ventil abgerissen. Er denkt das liegt am Felgenband....werden wir heute Nacht erörtern. Phil hat mal wieder ein Nebensträßchen entdeckt, das uns straight zum Hotel bringt, wo Big Daddy Rich schon mit ner dicken Eiskugel auf uns wartet. Zielspurt wird zwischen Flo, Stefan und Harley Ed ausgetragen. Die Verfolgertruppe von Frank hat zwar versucht zu attakieren, aber keine Chance. Auch Klaus Segafredo konnte nicht folgen.

Wir checken ein ins einzige Hotel am Platz. Scheinbar gibt’s hier keinen Tourismus. Heute Abend treffen wir auf die Mtb-Truppe von BikeAlpin, die sind auch schon seit einigen Tagen im Sattel. Doch nicht mit Phil als Skaventreiber sondern mit dessen neuer Flamme. Hä? Hübsche Mädels als Mtb-Guide? Das Dinè in der first Pizzaria am Platz. Gemütliches Ambiente, wir sitzen draußen auf ner herrlichen Veranda und schlemmen. Da ich noch ein wenig schreiben muß, verabschiede ich mich frühzeitig.

Als ich so durch die Gassen in Richtung Hotel schlendere höre ich irgendwoher Volkloresounds. Na, mal suchen. Innerhalb von höchstens zwei Stunden hat sich die kleine Innenstadt in einen mittelalterlichen Rummelplatz verwandelt. Überall zeigen Einheimische in traditioneller Kluft alte Handwerke aus dem Mittelalter. Sehr interessant, ausserdem besuche ich noch schnell ne tolle Ausstellung von Mario Gaio. Bin in ner völlig anderen Welt wie heute Nachmittag....



Letzte Aktualisierung ( Thursday, 16. November 2006 )