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Die 80er


Das Jahrzehnt, in dem die Mode verboten wurde. Oder in dem das Buch der Mode neu geschrieben wurde, allerdings von Analphabeten.
Nun Ende 70er, Anfang 80er hatte ich tierisch Spaß daran mit einem selbstgebauten Fahrrad, das mit viel Phantasie einem Motocross-Motorrad ähnelte, durch den Wald zu heizen und mir Schürfwunden aller Art zuzuziehen. Was für mich durch den enormen Spaßfaktor akzeptabel war, für meine Mutter nicht, denn sie war es ja schließlich, die meine Hosen geflickt hat. Übrigens wurden damals Klamotten noch von Geschwister zu Geschwister weitergegeben und es gab auch noch "Flicken" für Knie- und Ellbogenlöcher. In unserer Gang war es natürlich Statussymbol, möglichst viel "Flicken" an Hose und Hemd zu tragen. Scheiße war allerdings, dass wir Kinder damals Schlaghosen tragen mussten und diese natürlich oft mit der Fahrrad Kette in Berührung kamen, was wiederum zur Folge hatte, dass die Hosen erstens immer verschmiert waren (Ohrfeige daheim) und zweitens auch schon mal ins Kettenblatt gezogen wurden. Also zerfetzt (mehrere Ohrfeigen).
1982: Trio landet mit dem Hit "Da da da" einen Welterfolg. Hab ich in der Hitparade bei einem Freund gesehen. Denn in meinem Hause, wir hatten inzwischen außer dem Transistor- Radio auch einen Schwarzweiß-Fernseher, wurde ausschließlich die Tagesschau geguckt. Täglich. Und ausschließlich von meinem Vater. Somit war ich empfänglich für Musik. Ich wurde ein Kind der "Neuen Deutschen Welle". Heimlich.
TV für mich Anfang der Achziger war Freitag 18 Uhr 30 "Rauchende Colts" und Dienstag 19 Uhr 30 "Ein Colt für alle Fälle" mit Colt Seavers, Howie und Jody, die ich schon als Zwölfjähriger sexy fand. Eine Sendung über einen Stuntman, der für einen Anwalt arbeitet und Verbrecher einfängt. Genau mein Ding. Heute in abgespeckter Form vielleicht "Ein Fall für zwei" mit Matula als Colt Seavers. Der hat zwar keinen fetten Jeep, aber immerhin in jeder Lebenslage Cowboystiefel an. Ich hab ja schon vor Jahren mit dem Judosport angefangen, dann kamen auch noch zwei Jahre Eishockey dazu und so mit dreizehn hab ich mir auch noch ein Rennrad zusammengeschraubt und bin in den lokalen Radsport-Verein eingetreten. Und im Wald mit meinem kleinen Rad umherspringen war schon immer cool.
Man sieht also, dass wir damals weder Marihuana noch Videospiele hatten und uns zwangsläufig selbst kreativ beschäftigen mussten.
Aber bei all dem Pensum an Hobbys hab ich doch glatt die Lust an der Schule verloren. Na ja, die war eigentlich noch nie so richtig vorhanden. Also flog ich dann auch vom Gymnasium.
Scheiß drauf, Realschule wird's schon auch tun, dachte ich mir. Aber Hausaufgaben musste man auch dort machen. Mathe und sonstige Naturwissenschaften waren nach wie vor mein Verhängnis. Konnte aber durch Sprachen punkten und hab doch tatsächlich in meinem Jahrgang den besten Qualifizierten-Hauptschulabschluß im Fach Englisch absolviert. Freestyle. Durch das BMX-Fahren blieb mir gar nichts anderes übrig als zwangsläufig Englisch zu lernen, auch außerhalb der Schule. Na wenigstens was.
Nebst der NDW feierte Motörhead seine Höhepunkte. Damals noch mit Fast Eddie. Die Kulthymne "The ace of spades" kommt in die Läden. Als ich damals das Cover mit dem gepiercten Totenkopf sah, wusste ich ein weiteres Mal, dass Rock-Musik böse sein muss. Motörhead wurde für mich eigentlich erst interessant, als ihre besten Jahre vorbei waren.
Fast parallel zu dem Erfolg von Trio kam Stephen Spielbergs Klassiker E. T. in die Kinos und brach alle Zuschauerrekorde bis dato. In dem besagten Movie war unter anderem auch Elliot, ET`s Freund, ständig mit einem BMX-bike unterwegs. Ein kleines Fahrrad mit breiten stolligen Reifen. Über Nacht wurde nicht nur ich mit dem BMX-Virus infiziert. Übrigens fast jeder Junge dieser Generation besaß nach diesem Film solch ein Bike. Selbst Bastian Pastewka hat zugegeben damals eines besessen zu haben. Über das Bike kam ich dann auch zum Skateboard. Eine neue Generation Skateboard ist angebrochen. Weg sind die kleinen "Sidewalk Surfer". Ein Board heutzutage war breiter als der Schuh und länger als das Bein. Neonfarben, so schrill wie möglich. Skateboarding war tot. Nur eine Undergroundbewegung hat sich am Leben gehalten. Münster war das Mekka der Skateboarder, da Titus Dittmann, der Guru der Skater, dort einen Laden hatte und original USA-Ware verkaufte. In den frühen 80ern war es so was wie eine Pilgerfahrt, mit all seinem Gesparten nach Münster zu pilgern und sich ein neues Board und vielleicht noch ein T-Shirt mit einem Monster auf dem Skateboard als Design zu kaufen.
Parallel zu dieser Underground-Lifestyle/Mode-Bewegung schießen natürlich Bands wie Kajagogo, Depech Mode, Spandau Ballet etc. aus dem Boden. Popper. Punker waren Leute wie EA 80, Schliessmuskel, Dead Kennedies oder die Toy Dolls. Junge Männer wurden von nun an aufgrund ihrer äußerlichen Erscheinung entweder als Popper oder Punker eingestuft. Oder vielleicht auch noch als Ökos. Die Fraktion mit Parka, Palästinenser-Tuch und Birkenstock-Sandalen (wahlweise auch klassische Camel Boots). Wir Skater / BMXer passten in keines dieser Schemata. Und darauf waren wir stolz.
Bei mir wurde BMX eine Passion und ich bereiste dann schon im zarten Alter von sechzehn verschiedene Städte in Europa, um mich mit Gleichgesinnten zu treffen. Eine Freundschaft, die bis zum heutigen Tag nicht verblüht ist. Und von da an ging es dann immer so weiter. Schulmäßig machte ich dann nach der Realschulreife, die ich mit Ach und Krach bestand, die FOS. Schwerpunkt Sozialwesen. Entsprach meinem damaligen Berufsbild. Hat sich aber dann doch ein paar Jahre später geändert. Anstatt zwei verbrachte ich dann drei Jahre dort. Natürlich wieder wegen meiner Unkenntnis in Sachen Naturwissenschaften. Dennoch ABI wenigstens im zweiten Anlauf gemeistert.


Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 2. January 2007 )