Menu Content/Inhalt
Home arrow Matts Bio
TIMEWARP
Beitragsinhalt
TIMEWARP
Seite 2
Seite 3
Seite 4

Die 90er


Zu diesem Zeitpunkt gab es noch die BRD und die DDR. Und in der BRD war es gar nicht so einfach, einen Platz als Zivildienstleistender zu bekommen. Sprich ein Jahr lang Kampf mit der Behörde in Köln. Endlose Gespräche auf dem ZIVI-Amt, Briefe ohne Ende. Doch letztendlich darf ich, anstatt zum Söldner ausgebildet zu werden, alten Menschen beim Arschabwischen helfen. ZWEI (!) Jahre lang. Staatsdienst halt. Aber hab ich cool überstanden. Danach war für mich klar, niemals einen Sozialberuf zu erlernen.

1990war ich dann auch fertig mit der Scheiße. Fast zeitgleich lässt Herr Kohl die Mauer fallen. Vereinigtes Deutsches Volk! Yeah. Ich engagierte mich nochmals mit ein paar Freunden zur Hilfe für die Menschen aus dem Osten, die in unser Grenzland wie eine Invasion eindrangen und jeden Supermarkt leer kauften und uns mit ihrem Trabbi-Gestank eindubelten. Aber gut, sind ja unsere Brüder und Schwestern. Oft standen wir früh morgens um vier Uhr auf dem Volksfestparkplatz und haben Suppe und Kaffee für die Menschen aus dem Osten ausgeschenkt. War echt ein tolles Gefühl. Merkwürdig war allerdings deren Ost-Akzent. Bis dato nicht gehört. Nun gab es ab jetzt nicht nur Popper, Punker und Ökos, sonden auch noch Ossis.Was ich persönlich als sehr diskriminierende Bezeichnung für die Menschen von "drüben" finde.
Der Zivildienst war dann endgültig vorbei, und da ich schon viele Erfolge im BMX-Freestyle bei internationalen Wettkämpfen hatte, beschloss ich erst mal nach Kalifornien zu gehen und dort zu schauen ob ich nicht einen Bike-Sponsor finden könnte. Ach ja, kurz nach dem Zivi bin ich direkt Redakteur eines BMX-Freestyle-Magazin geworden. Hatte damit natürlich gute Karten drüben in den Staaten.
Zu dieser Zeit gab es in Deutschland weder in Ost, West oder nun im Vereinten Deutschland Läden, die BMX/Skate- Mode verkauften. Außer ein paar kleine Independent-Läden in Köln, Münster, Hamburg und Berlin. Deshalb hab ich auch keine Klamotten mit nach Amerika genommen, sondern hab mich direkt in San Francisco neu eingekleidet und meine Kluft, die ich im Flieger noch anhatte, einem Penner dort geschenkt. Dort ist mir dann auch sofort klar geworden, dass ich eine BMX-Klamotten-Firma gründen muss. Was ich ein paar Wochen später dann auch umgesetzt habe. Da ich sowieso schon eine Art Co.-Sponsoring von GT Bikes in Deutschland hatte, war es auch nicht schwer von GT USA dort drüben Unterstützung zu bekommen. Ich bin dann auch vor Ort bei Bike Shows mit John Parker, Hans "No Way" Rey, Stefan Prantl (den ich ja schon lange aus Köln kannte) und Dave Volker dabei gewesen. Tolle Erfahrung. Aber Amerika, mein Jugendtraum, war nicht das, was ich mir erträumt hatte. Gar nicht. Ich liebe doch mein deutsches Land.
Zurück in good old Germany hab ich als BMX-Profi agiert. Irgendwie sind wir Biker dann auch zur Musik gekommen und haben hier eine Band gegründet. Allerdings muss ich gestehen, dass entweder meine Hände zu groß sind oder die Saiten einer Gitarre zu eng beieinander. Als Gitarrist bin ich nix geworden. Auch als Sänger nichts. Schnell wieder verworfen den Gedanken. Umso mehr mit dem kleinen Bike durch die Luft zu wirbeln. Was schnell den ersten Bandscheibenvorfall bedeutete. Au Backe. Vom deutschen Meister in der Profi-Klasse zum Behinderten? Richtig. Es folgte ein halbes Jahr liegen! Im Stufenbett. Qual, die sich keiner vorstellen kann. Wird aber wieder. BMX-Profi-Karriere geht weiter. Sogar noch bis Mitte der Neunziger rein. Jedes Wochenende Shows oder Wettkämpfe. Bis mir dann Freunde zum Studium geraten haben. Schließlich will ich ja nicht mit vierzig immer noch auf irgendwelchen Galas, Stadtfesten etc. auf dem Kinderrad rumhüpfen. Gut. Also ab ins Ausland und studieren. Danach fotografieren und am Hungertuch nagen. Auch nicht so die richtige Zukunftsplanung. Also wieder mal zurück ins deutsche Land. Sich frisch verlieben und dort mal schauen, was so beruflich geht. Auch nicht so der Bringer. Da ich ja schon seit meinem fünfzehnten Jahr schreibe, konzentriere ich mich dann auf die Schreiberei, was eigentlich ebenfalls ne brotlose Kunst ist.


Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 2. January 2007 )